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Bühne, Musik

Festival Theaterformen 2018

Melodram im Cinemascope- Format: Saigon. Foto: Jean Louis Fernandez

Elf Tage, die es in sich haben, rund 160 Programmpunkte mit Theater aus aller Welt – von klassischen Bühnenstücken über Theater an außergewöhnlichen Orten bis zu Performances zum Mitmachen – Live-Musik im Festivalzentrum und einem umfangreichen Rahmenprogramm mit zahlreichen Kooperationspartnern: Das Festival Theaterformen ist eines der größten Festivals für internationales Theater in Deutschland – ein Fenster zur Welt und ein großes Fest, das in und mit Braunschweig gefeiert wird. Aus Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Mosambik, den Niederlanden, Nigeria, Portugal und Südafrika kommen die Aufführungen, die vom 7. bis 17. Juni 2018 auf den Bühnen des Staatstheaters Braunschweig zu sehen sind. Martine Dennewald, seit 2015 künstlerische Leiterin des Festivals, erklärt, was das diesjährige Programm besonders macht: „Auch dieses Jahr erzählt das Festival Theaterformen nicht nur Geschichten aus aller Welt – es berichtet auch davon, wie diese Geschichten miteinander zusammenhängen, wie Biographien zwischen den Kontinenten verortet sein können, wie historische Verflechtungen und insbesondere die koloniale Vergangenheit unsere Gegenwart prägen. Die Stücke spiegeln und ergänzen sich gegenseitig, und wer sich mehrere anschaut, kann einen Blick auf dieses Mosaik erhaschen, in dem sich die einzelnen Steine zu einem großen Bild zusammenfügen." Für Dagmar Schlingmann, Generalintendantin des Staatstheater Braunschweig, ist das alle zwei Jahre in Braunschweig stattfindende Festival das erste in ihrer Amtszeit: „Während der Festivaldauer der Theaterformen ist Braunschweig Dreh- und Angelpunkt zwischen den Künstlern aus aller Welt und dem Publikum vor Ort. Ich freue mich hierbei insbesondere auf einen regen Austausch über künstlerische Sichtweisen und Perspektiven.“

Eröffnung

Eröffnet wird das Festival am 7. Juni mit Saigon, einem Stück über bewegte Lebensgeschichten zwischen Frankreich und seiner ehemaligen Kolonie Indochina. Das Stück von Caroline Guiela Nguyen, das im Großen Haus die Bühne mit einem großen französisch-vietnamesischen Ensemble bespielt, spiegelt thematische Akzente der 16 darauffolgenden Gastspiele, die historische Verflechtungen, postkoloniale Strukturen und globale Machtverhältnisse offenlegen, zwischenmenschliche Beziehungen unter die Lupe nehmen und den erzählerischen Reichtum der unterschiedlichen Theaterformen feiern.

Geschichte und Gegenwart

In Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs lotet Milo Rau die Grenzen des europäischen Humanismus und der bürgerlichen Moral aus. Dorothée Munyaneza, als Zwölfjährige aus Ruanda vor dem Genozid geflohen, versucht mit Samedi Détente das individuelle und kollektive Trauma künstlerisch erfahrbar zu machen. Eine einmalige Theatererfahrung erwartet das Publikum bei £¥€$ aus Belgien, in dem das Publikum im Kapitalismus-Kasino um das internationale Wirtschaftssystem zockt. In der Braunschweiger Innenstadt spielt Julian Hetzels Schuldfabrik, das in einem durchdesignten Pop-up-Store für Seife startet und seine „Kundschaft“ mitnimmt auf einen Firmenrundgang zum modernen Ablasshandel. Dieudonné Niangouna erzählt vom fiktiven Herrscher Antoine, der die politische Stabilität seines Landes opfert, um die Treue seiner Untertanen zu prüfen. Der Virtual-Reality-Film Collisions wiederum berichtet von Nyarri Morgan, der als junger Mann Zeuge eines britischen Atomtests in der australischen Wüste wurde, und Race Cards der Britin Selina Thompson ist eine begehbare Installation über Rassismus, in die sich Besucher_innen selbst einschreiben können.

Solos

Because I Always Feel Like Running ist eines der beiden Solos von Ogutu Muraya, in dem sich der gebürtige Kenianer anhand der Geschichte ostafrikanischer Ausnahme-Athleten den politischen Dimensionen des laufenden Körpers annähert. Mit Fractured Memories dagegen setzt Muraya sich anhand von Texten James Baldwins mit seiner eigenen Situation als in Europa lebender kenianischer Künstler auseinander. In Solo für Maria nimmt sich die mosambikanische Tänzerin Maria Domingos Tembe, choreografiert von Panaibra Gabriel Canda, den Konflikt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und weiblicher Selbstbehauptung vor. Im lebhaften Plauderton führt Kevin Matthew Wong schlussendlich in seiner Lecture-Performance The Chemical Valley Project das Publikum in die Untiefen der kanadischen Umweltpolitik ein.

Koproduktionen und neue Entdeckungen

Fünf Theaterstücke entstehen in diesem Jahr in Koproduktion mit namhaften Partnern: Das Familiendrama Jungfrau, das auf der gleichnamigen preisgekrönten Kurzgeschichte von Mary Watson beruht, wird in Braunschweig uraufgeführt. Jade Bowers’ Adaption der Erzählung entsteht in Koproduktion mit dem National Arts Festival Grahamstown in Südafrika. Aus dem Nachbarland Mosambik kommt das Tanzstück Theka, das am letzten Festivalsamstag im Großen Haus gezeigt wird und in Koproduktion mit dem Kinani-Festival Maputo entstand: Die mosambikanischen Choreografen Horácio Macuácua und Idio Chichava bringen mit ihrem 14-köpfigen musikalischen und tänzerischen Ensemble ein eigensinniges und vergnügtes Tanzstück auf die Bühne. Mit beiden afrikanischen Festivals koproduziert das Festival Theaterformen darüber hinaus jeweils ein kurzes Stück von Tito Aderemi-Ibitola, Kamogelo Molobye und Janeth Mulapha. Die drei Arbeiten werden im Format 3x30 im Haus Drei uraufgeführt.

Zwischenmenschliche Beziehungen

Obwohl Takuya Murakawa Theater als Forschungsanstalt begreift und radikale konzeptionelle Ansätze verfolgt, ist Independent Living inhaltlich alles andere als eine kalkulierte Inszenierung, denn es besetzt die Hauptrolle allabendlich neu. Dieses japanische Stück über Pflege und Sorgearbeit, über größte Nähe und Entfremdung wird im LOT-Theater als deutsche Erstaufführung gezeigt. Um eine ganz anders geartete Beziehung geht es in Sopro des portugiesischen Regisseurs Tiago Rodrigues, der ein Stück mit und über die Souffleuse des Lissaboner Nationaltheaters gemacht hat. Sie, die seit 30 Jahren ihrem Theater treu ist, hält zunächst nicht viel vom innovativen Regiekonzept ihres Chefs, und lässt sich am Ende in gewisser Weise doch darauf ein – eine Hommage an die vielen unsichtbaren Menschen, die das Theater erst möglich machen.

Programm +

Neben den Theaterproduktionen bietet das Festival mit zahlreichen Partnern wie dem Kunstverein Braunschweig, der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und der Universität Hildesheim mit dem Programm+ ein umfangreiches Rahmenprogramm. Zu diesem zählen Workshops, Podiumsdiskussionen und Fachtreffen. Als bewährte Formate bietet das Festival seinem Publikum Stückeinführungen, Warm-ups und Cool-downs sowie die Konzertabende mit angesagten Bands – darunter Ace Tee, Schrottgrenze, Fehlfarben, Sophia Kennedy und Jennifer Gegenläufer – im Festivalzentrum im Theaterpark. Im Vorfeld des Festivals zeigt das Universum Filmtheater ab 18. April Filme mit programmatischen Schnittmengen zum Theaterformen-Programm.

blog.theaterformen.de

Mit einem mehrsprachigen Festivalblog begleiten geflüchtete Journalist_innen und Studierende der Universität Hildesheim das Festival laufend mit aktuellen Beiträgen u.a. auf Arabisch, Deutsch, Englisch und Persisch.

Vorverkaufsstellen

Staatstheater Braunschweig . Großes Haus

sowie an allen Vorverkaufsstellen des Staatstheaters Braunschweig

Telefonischer Kartenservice 0531 1234 567 . Kartenverkauf Online www.theaterformen.de

Termine und Informationen

Die Veranstaltung liegt in der Vergangenheit (07.06.2018 - 17.06.2018)

Ort: Staatstheater Braunschweig
Veranstalter: Staatstheater Braunschweig
Telefon: (05 11) 99 99-25 06
Web: https://www.theaterformen.de/de/programm ...
Ansprechpartner: Judith Hartstang

Veranstaltungsreihe



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