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Bürgerworkshop: Trasse Rautheim/Lindenberg

Braunschweig, 28. Februar 2018 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

 (Foto: Verkehrs-GmbH)

Immer wieder der Blick auf die Kartenausschnitte. Immer wieder neue Gespräche, Fragen, Diskussionen. Die Zeit für die Gruppenarbeit war eigentlich längst abgelaufen. Doch die Bürger waren zu vertieft in die Pläne mit Trassenverläufen und möglichen Haltepunkten. „Die Diskussion wird ja noch weitergehen. Es gibt noch eine weitere Veranstaltung dieser Art“, versicherte Karolin Thieleking. Die Mitarbeiterin des Planungsbüros KoRis versuchte ein abschließendes Fazit des zweiten Bürgerworkshops zur künftigen Stadtbahntrasse nach Rautheim zu ziehen – was angesichts des Interesses und des Tatendrangs der Teilnehmer gar nicht so einfach war.

 (Foto: Verkehrs-GmbH)

Rund 150 Menschen waren in den Congress-Saal der Stadthalle gekommen. Viele von ihnen hatten bereits den ersten Workshop im Dezember begleitet. Jörg Reincke, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH, Klaus Benscheidt, Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau und Verkehr, und der neue Projektmanager Albrecht Curland schauten deshalb bei ihren Begrüßungsansprachen in so manches bekannte Gesicht.

Jürgen Hofmann ließ zum Einstieg noch einmal das bisher Geschehene Revue passieren. Der Vertreter des Planungsbüros BPR erläuterte, dass die Bürger im ersten Workshop 20 Untervarianten für mögliche Trassenführungen vorgeschlagen hatten. Kurz darauf stellte er die Ergebnisse der fachlichen Prüfung dieser Strecken vor. Die jeweils drei am besten bewerteten Trassenvarianten für den Lindenberg und Rautheim könnten von den Bürgern diskutiert werden, so Hofmann. Bei ähnlich verlaufenden Trassen sei nur die jeweils beste in die engere Wahl gekommen.

 (Foto: Verkehrs-GmbH)

Die drei möglichen Trassen im Bereich Lindenberg führen alle am Hauptfriedhof vorbei, der somit definitiv durch die Stadtbahn angebunden bleibt. Die Unterschiede: Variante 2.0 biegt von der Helmstedter Straße bereits am Autohaus Dürkop ab und quert in südlicher Richtung die Gleisanlagen der Deutschen Bahn. Variante 3.0 dagegen folgt der Helmstedter Straße weiter nach Osten, bindet dort die Mastbruchsiedlung mit an und führt direkt am Neubaugebiet Heinrich der Löwe vorbei in Richtung Süden. Variante 4.1 schließlich kreuzt die Bahnanlagen ebenfalls im Bereich der heutigen Brücke und führt dann parallel zum Ringgleis südwestlich zur Einmündung Rautheimer Straße/Möncheweg.

Letztere Variante wurde in den Diskussionen häufig als besonders interessant bewertet. Die Argumente dafür: Anders als Variante 3.0 umfährt sie die Autobahn-Anschlussstelle, bindet die Mastbruchsiedlung aber fast genauso gut mit an. Die Bedenken bei Variante 2.0: Trotz möglicher Vorteile für Fußgänger und Radfahrer sei die Länge der benötigten Brücke kritisch zu bewerten. Hier seien bautechnische Schwierigkeiten sowie hohe Kosten zu erwarten, vermuteten einige Bürger. Ob die Querungen der Gleisanlagen an den vorgesehenen Stellen möglich sind, werden die Fachplaner der Verkehrs-GmbH bis zum nächsten Workshop in Gesprächen mit der Deutschen Bahn klären.

Noch mehr Diskussionsbedarf herrschte bei der Frage der Trassenführung durch Rautheim. Hier ähneln sich die Varianten A.0 und B.3, die beide von der Braunschweiger Straße südwärts abknicken und schließlich beide auf der Straße Zur Wabe laufen, wo sie östlich in einer Wendeschleife enden. Ganz anders die Variante G.2, die über den Möncheweg verläuft und von Westen her in die Straße Zur Wabe mündet.

 (Foto: Verkehrs-GmbH)

„Variante A.0 ist im Vergleich zu Variante B.3 deutlich schlechter. Der Erzberg mit der Lebenshilfe ist nicht mit angebunden, der Kurvenradius ist zu eng und der landschaftliche Flächenverbrauch größer“, legte sich ein Bürger eindeutig fest und entsprach damit der allgemeinen Tendenz in den Gruppen. Weniger einheitlich fielen dagegen die Ansichten zu Variante G.2 aus, die länger ist, dafür aber Teile des Lindenbergs und sogar der Südstadt mit anbindet. Sogar eine spätere Anbindung Mascherodes sei dann möglich, lautete das Argument in einer Gruppe. Und angesichts einer möglichen Bebauung der Freiflächen südlich der Wohngebiete Roselies in der Zukunft sei das Erschließungspotenzial groß. Die Kritiker argumentierten andersherum: Durch diese Trassenführung sei die Erschließungswirkung geringer, weil zu große Teile Rautheims abgekoppelt würden.

„Ich bin überwältigt, wie engagiert und sachlich die Diskussionen verlaufen sind“, bilanzierte Klaus Benscheidt, nachdem die Gruppenarbeit beendet war. Stuttgart 21 habe vor Jahren einmal gezeigt, wie Stadtplanung nicht funktioniere. „Wir in Braunschweig machen es anders“, meinte er vor den Besuchern, die durch die Mitarbeit schon zu richtigen Experten geworden sind.

Der dritte Bürgerworkshop für das Teilprojekt Rautheim/Lindenberg findet noch vor den Sommerferien, voraussichtlich im Mai/Juni 2018, statt.

Hinweis: Die Ergebnisse des Bürgerworkshops werden in den kommenden Tagen und Wochen ausgewertet und in einem Protokoll zusammengefasst. Das Protokoll wird sobald wie möglich auf der Seite www.stadt-bahn-plus.de veröffentlicht.

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